Gemeinsame Presseerklärung des Kreisjugendrings München-Stadt, der 
Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) Kreisverband 
München, des Vereins InSight e.V. und der Antifaschistischen 
Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. (A.I.D.A.) 

Einladung zur Pressekonferenz 

am Dienstag, 25. Juli, 10.30 Uhr im JugendInformationsZentrum 

Paul-Heyse-Straße 22 in München (U 4/5 Haltestelle Theresienwiese) 

Die Münchner Polizei hat sich unter Androhung polizeilicher Gewalt 
Zutritt zu der Veranstaltung "Im Blickpunkt: Was tun gegen Rechts?! 
Opfer stärken - Tätern Grenzen setzen" verschafft, um die 
Podiumsdiskussion von KJR, dju, Insight e.V. und A.I.D.A. zu "beobachten 
und zu überwachen". Die Veranstalter brechen daraufhin ihre 
Informationsveranstaltung unter Protest ab und kündigen juristische und 
politische Schritte gegen diesen massiven Angriff der Münchner Polizei 
auf die Meinungs- und Pressefreiheit an. 

Die Münchner Polizei hat sich am vergangenen Mittwoch, 19. Juli, unter 
Androhung von Gewalt Zugang zu einer Informations- und 
Diskussionsveranstaltung über Rechtsextremismus und rechte Gewalt 
verschafft. Die Podiumsdiskussion unter dem Motto "Was tun gegen Rechts" 
fand vor rund 60 TeilnehmerInnen im Eine-Welt-Haus statt. Auf dem Podium 
wollten die Journalistin und Leiterin der "Mobilen Opferberatung 
Sachsen-Anhalt", Heike Kleffner, das Vorstandsmitglied des 
Kreisjugendrings München-Stadt, Roland Wehrer, und der BR-Journalist und 
Münchner dju-Sprecher Thies Marsen über die zunehmenden Gefahren durch 
rechte Gewalt und Neonazis informieren und diskutieren. Rund 20 zivile 
und uniformierte Polizisten des Dezernats 14 des Münchner 
Polizeipräsidiums verhinderten schließlich, dass die Veranstaltung wie 
geplant stattfinden konnte. 

Zuvor hatten zwei zivile Staatsschutz-Mitarbeiter (Dezernat 14) 
versucht, sich in die Veranstaltung einzuschleichen, um, wie beide 
mehrfach vor Zeugen später betonten, die Veranstaltung "zu bobachten und 
zu überwachen" unter Mitführung von Tonaufnahmegeräten. Da sich die 
beiden Beamten jedoch zuvor sonderbar benahmen, wurden sie als 
Polizisten erkannt, zur Rede gestellt und schließlich unter Berufung auf 
das Hausrecht vom Veranstalter aufgefordert, den Saal zu verlassen. Eine 
halbe Stunde später verschafften sich die beiden Staatsschutzbeamten 
dann mit Unterstützung uniformierter Kollegen und unter Androhung 
polizeilicher Gewalt erneut Einlass. 

Die Veranstalter protestieren auf das Schärfste gegen das Vorgehen der 
Münchner Polizei. Auch die TeilnehmerInnen aller Altersgruppen empörten 
sich über die Anwesenheit und das Vorgehen der Polizei und lehnten die 
Überwachung entschieden ab. 

Auch auf mehrmalige Nachfrage der Veranstalter nannten die Beamten weder 
Gründe für ihre Anwesenheit noch den Anlass ihres Auftrages der 
Überwachung. Statt offensiv gegen gewaltbereite Neonazis vorzugehen, 
nimmt die Polizei offensichtlich Bürgerinnen, Bürger, Verbände und 
Gewerkschaften ins Visier, die sich über Rechtsextremismus, die 
Unterstützung von Opfern und die gesellschaftlichen Gefahren rechter 
Gewalt informieren und sie diskutieren wollen. 

Dazu der Sprecher der dju-München Thies Marsen: "Die Münchner Polizei 
überhört und reagiert nicht, wenn - wie am 9. November vergangenen 
Jahres geschehen - Neonazis in der Münchner Öffentlichkeit NS-Größen 
verherrlichen (siehe Berichte der SZ). Gewerkschafter, Journalisten und 
Mitarbeiter der Jugendhilfe, die sich gegen Neonazis engagieren, sollen 
dagegen verdeckt ausgehorcht werden. Das Polizeipräsidium München geht 
offensichtlich lieber gegen die Verteidiger von Demokratie und 
Zivilgesellschaft vor als gegen deren Feinde", so dju-Sprecher Thies 
Marsen. "Das ist ein Skandal erster Güte. Eine der Lehren aus dem 
Nationalsozialismus war es, Polizei und Geheimdienst strikt zu trennen, 
um eine Gesinnungspolizei für die Zukunft auszuschließen." Die Münchner 
Polizei missachte nun diese für ein demokratisches Gemeinwesen 
elementare Trennung, um ausgerechnet Bürgerinnen und Bürger 
auszuspionieren, die ein Wiedererstarken der Nationalsozialisten 
verhindern wollen. Zugleich betonte Marsen, dass gegen einen Dialog mit 
den Sicherheitskräften über ein gemeinsames Vorgehen gegen Neonazis 
nichts einzuwenden sei. "Da liegt bei der Münchner Polizei schließlich 
noch einiges im Argen." Eine geheime Überwachung sei jedoch das genaue 
Gegenteil eines Dialogs und mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar. 

Die betroffenen Verbände und Gewerkschaften kündigen hiermit juristische 
Schritte gegen die beiden Münchner Polizisten und die verantwortlichen 
Einsatzleiter an und fordern gleichzeitig die Münchner Stadtspitze, den 
Stadtrat und das Bayerische Innenministerium auf, politische und 
rechtliche Maßnahmen zu ergreifen, um die offenbar aus dem Ruder 
laufenden Staatsschutz-Beamten im Münchner Polizeipräsidium zu stoppen. 

Die Veranstalter protestieren aufs Schärfste gegen diesen massiven 
Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit. Die veranstaltenden 
Organisationen befürchten für die Zukunft auch die Überwachung anderer 
Gruppen, Vereine und Initiativen. 

München, den 20.Juli 2006 

Thies Marsen, Kontakt: 0170/233 16 69 

Sprecher der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) bei 
ver.di, Kreisverband München. 

Roland Wehrer, Kontakt: 0171/543 52 03 

Stellvertretender Vorsitzender Kreisjugendring München Stadt