Im folgenden der Text des Aufrufes zur Antifa Demo am 9.November Auftaktkundgebung ist um 16:00 am Platz der Opfer des Nationalsozialismus. Kein Vergeben - kein Vergessen Am Mittwoch, den 9. November 2005, dem 67. Jahrestag der mörderischen November-Pogrome gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland, rufen wir zu einer antifaschistischen Demonstration gegen die Verherrlichung des Nationalsozialismus in München auf. Wir wollen nicht vergessen und auch 60 Jahre nach dem Sieg über Nazideutschland den Opfern der Reichspogromnacht gedenken. ... damals... Die brutalen Ausschreitungen in den Tagen um den 9. November 1938 markierten den Auftakt zur geplanten physischen Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa. Überall in Deutschland wurden zu jener Zeit Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, Jüdinnen und Juden misshandelt, gedemütigt und getötet. Im Verlauf der Pogrome wurden etwa 30.000 Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Der öffentliche Protest gegen die Pogrome blieb von seiten der deutschen Bevölkerung aus. Die Reaktionen bewegten sich zwischen zuschauen, wegschauen und mitmachen. Dies war der entscheidende Schritt von der Ausgrenzung und Entrechtung der Jüdinnen und Juden hin zu ihrer Vernichtung. Bayern und speziell München waren stets Vorreiter, wenn es um Aktionen gegen Jüdinnen und Juden ging. So demonstrierte beim ersten planmäßigen Boykott gegen jüdische Geschäfte der damalige Münchner Bürgermeister Karl Fiehler vorauseilenden Gehorsam. München beeilte sich auch besonders mit dem Abreißen von Synagogen: bereits im Juni 1939 zerstörten die Nazis auf Anweisung von Goebbels die Hauptsynagoge. Am 9. November 1938 versammelte sich fast die gesamte NSDAP-Spitze im großen Saal des Alten Rathauses in München, wo Goebbels jene wüste antisemitische Hetzrede hielt, die den anwesenden SA- und Partei-Führern das Signal zum Beginn der Hetzjagd und Pogrome gegen Jüdinnen und Juden gab. Den Ermorderten unsere Trauer, den Überlebenden unsere Solidarität, den Tätern und Verherrlichern des Nationalsozialismus unseren Kampf! Kein Vergeben. Kein Vergessen. ... und jetzt in München? Als gezielte Provokation haben Neonazis am 9. November Kundgebungen angemeldet: Die sogenannten Autonomen Nationalisten wollen die beim Hitler-Putsch Gestorbenen an der Feldherrenhalle verherrlichen. Das NPD-Mitglied Norman Bordin hat um 18.00 Uhr am Stachus eine Kundgebung angemeldet (das Motto der genehmigten Kundgebung lautet: "16. Jahrestag des Mauerfalls"). Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Stadt dies verbietet, und lassen es nicht zu, dass an solch einem Tag in München Neonazis öffentlich versuchen können, die Reichspogromnacht und den Nationalsozialismus zu verherrlichen. Die zahlreichen gewalttätigen Übergriffe von Neonazis auf MigrantInnen und Linke sind angestiegen, was jedoch von Politik und Polizei verharmlost wird. Auch in München gab es des öfteren solche Übergriffe. Weder der Bund noch der Freistaat oder die Stadt München unternehmen wirklich etwas gegen Neonazis. Auf ein Lippenbekenntnis "gegen rechte Gewalt" kommen zwei Brandstifter-Reden über "Ausländer, die uns ausnützen" (Beckstein), auf ein kofinanziertes Festival gegen Rassismus kommen zehn Abschiebe-Charter. In München leistet der Oberstaatsanwalt Stern den Nazibanden juristische und ideologische Schützenhilfe für ihre "Versammlungen". Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Kein Raum für Nazi-Propaganda in München und anderswo! Doch 60 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ist es von seiten des deutschen Staats und der Polizei gang und gäbe, junge Menschen, die gegen rechte Gewalt und Propaganda aktiv werden, im gesamten Bundesgebiet mit Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Strafverfahren zu überziehen. Letztes Jahr wurden in München am 10. November achtzehn junge AntifaschistInnen, die sich den Nazis entgegenstellten, festgenommen. Zwei von ihnen sind mittlerweile scharf verurteilt worden. Am Morgen des 19. Oktober 2005 durchsuchte ein Großaufgebot der Polizei die Wohnungen von neun AntifaschistInnen, wobei mit völlig an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfen und Begründungen, persönliche Gegenstände beschlagnahmt, Türen aufgebrochen und Leute zu DNA-Proben gezwungen wurden. Unsere Solidarität gilt allen von Repression betroffenen AntifaschistInnen! Wir lassen uns nicht einschüchtern! Antifaschismus ist notwendig! Organisiert den antifaschistischen Selbstschutz! V.i.S.d.P Doris Grabnitzki, Bergmannstr. 15a, 80339 München