(Bei der Gründungsveranstaltung am 16.10.04 wollen wir dieses oder ein entsprechendes Papier annehmen, als Teil eines Selbstverständigungsprozesses, im Sinne von Klarheit nach innen und nach außen. Beim Plenum am 13.9. haben wir die Diskussion über diese Vorlage eingeleitet. Wir werden sie während der Veranstaltungsreihe zur Gründung des Sozialforums München fortführen.)
Weltweit sehen sich die Menschen mindestens seit Anfang der 90er-Jahre mit der mittlerweile zum Dogma gewordenen Behauptung konfrontiert, zum derzeit stattfindenden Prozess der kapitalistischen Globalisierung gäbe es keine Alternative. Und es wird behauptet: Nur durch einen weltweiten radikalen Wirtschafts-/Marklitberalismus könne zukünftig Fortschritt und Wohlstand für Alle organisiert werden. Zum Zweck der Profitmaximierung werden weltweit Menschenrechte, soziale Errungenschaften und ökologische Standards unter dem Diktat mächtiger Großkonzerne und ihrer internationalen Institutionen (IWF, WTO, Weltbank) geopfert. Dabei wird mehr und mehr deutlich: die Konsequenzen dieser Ideologie sind verheerend: Massenhafte Armut (weltweit und auch innerhalb der reichen Industrieländer), ungebremste Hungersnöte, katastrophale Gesundheitsversorgung in weiten Teilen der Welt, zunehmender Wassermangel, ökologisch unverantwortliches Handeln im globalen Maßstab, eine unaufhörliche Zunahme von Präkarisierung der Lebensverhältnisse und eine in nie dagewesenem Maße weiter auseinander klaffende Schere zwischen Armut und Reichtum sind der Preis für dieses Handeln. Was die Sozialforen auf allen Ebenen eint, ist die Überzeugung, dass es Alternativen zu dieser Wirtschaftsideologie gibt. Es gibt sie auf allen Ebenen: im globalen Maßstab ebenso, wie auf regionaler und kommunaler Ebene. Und wir wissen auch: Nur durch solche Alternativen, durch eine Gesellschaftsordnung, in der nicht die Profitlogik, sondern die Menschen im Mittelpunkt der Überlegungen und Handlungen stehen, ist zukunftsfähig. Deshalb ist es unser Ziel, auf der Grundlage der Menschen- und Bürgerrechte und ökologischer Verantwortung, gesellschaftliche Alternativen zu diskutieren und zu entwickeln, deren Entwicklung zu unterstützen und deren Verbreitung und Umsetzung mit den vielfältigsten, uns zur Verfügung stehenden Mitteln voran zu treiben. Gesellschaftliche Alternativen, die dazu dienen, Reichtum, Arbeit, eine angemessenen Grundversorgung und Bildung weltweit und lokal gerecht zu verteilen und die angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle zu gewährleisten.
Sozialforen bieten Raum zu Begegnung, Auseinandersetzung, Verständigung und Diskussion, mit dem Ziel gegenseitiger Fühlungnahme und Bereicherung und eines gemeinsamen Erkenntnisfortschritts. Im Sozialforum München trifft sich ein breites und buntes Spektrum von Gruppen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Es ist seine Stärke, dass immer mehr Personen und Gruppen an diesem Prozess teilnehmen, ihre Gesichtspunkte aktiv beitragen und ihre Kräfte verbinden.
Das Sozialforum München steht auf dem Boden der Charta des Weltsozialforums. Es versteht sich als Teil des Weltsozialforums, des Europäischen Sozialforums und des Sozialforums in Deutschland.
In Sozialforen können und sollen sich Menschen und Gruppen organisieren, die aus den gemeinsam erarbeiteten Erkenntnissen auch Folgerungen ziehen und gemeinsam aktiv werden. Das Sozialforum bietet den Raum dazu und unterstützt eine Entwicklung, in der ganz heterogene Gruppen ihre Kräfte bündeln, wird aber nicht selbst zu einem Aktionsbündnis. Politische Parteien und Akteure mit kommerziellen Interessen können nicht Teil des Sozialforums werden. Das Sozialforum ist eine Plattform der sozialen Bewegungen wie z.B. der Gewerkschaften, engagierter religiöser und kirchlicher Gruppen, der Frauen-, Friedens- und der Ökologiebewegung, der Selbsthilfegruppen und von Gruppen der Nachbarschaftshilfe, von Gruppen der internationalen Solidarität, von MigrantInnengruppen, von Bürgerinitiativen und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten. Wer andere diskriminiert, hat keinen Raum im Sozialforum. Das Sozialforum München trifft sich regelmäßig zu einem offenen Plenum. Das Plenum ist das oberste Beschlussorgan. Das Plenum trifft Beschlüsse im Konsens. Konsens ist, wenn niemand gegen eine eingebrachte Beschlussvorlage ein Veto einlegt. Rede- und antragsberechtigt sind alle Anwesenden. Alle Mitglieder des Sozialforums werden darauf achten, dass niemand das Plenum dominiert oder majorisiert. Das Plenum kann sich eine Geschäftsordnung geben. Das Plenum kann eine Koordinationsgruppe einrichten, die damit beauftragt ist, die Plenen vorzubereiten. Das Plenum kann der Koordinationsgruppe weitere Aufgaben übertragen. Plenum und Koordinationsgruppe tagen öffentlich, die Termine werden rechtzeitig in den Medien des Sozialforums München bekannt gegeben. Kommunikationsmedien des Sozialforums sind der Newsletter und die Homepage www.m-sf.de sowie gegebenenfalls Rundbriefe. Veröffentlichungen im Namen des Sozialforums müssen vom Plenum gut geheißen werden, sofern nichts anderes beschlossen wurde. Innerhalb des Sozialforum München können sich Arbeitskreise und Bündnisse bilden.
Beschlossen auf der Gründungsversammlung des Sozialforums München am 16. Oktober 2004
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