Schluss mit der Besatzung - jetzt



Bericht von Sophia Deeg

Anschläge auf Bäume

Am 7.September fand im EineWeltHaus die erste einer beeindruckenden Reihe von Veranstaltungen statt, mit denen sich das entstehende Münchner Sozialforum den Münchnern und Münchnerinnen bis in den Oktober hinein präsentiert. Absicht der zahlreichen beteiligten Gruppen ist es dabei, ihre Perspektiven für eine soziale und solidarische Welt aufzeigen. Die Schrecken der Besatzung waren das Thema des gut besuchten Vortrags von Raid Naim aus München bzw. Gaza; Überschrift: Schluss mit der Besatzung - jetzt, wie es die sozialen Bewegungen seit Porto Alegre 2002 vehement und unzweideutig fordern.

Raid Naim machte am Beispiel eines Ortes in Gaza und von zwei der zahllosen israelischen Invasionen dieses Ortes anschaulich, was die Besatzung tatsächlich für die Menschen, die unter ihr leben, überleben und umkommen, bedeutet - die Vernichtung der individuellen und gesellschaftlichen Lebensgrundlagen und die Zerstörung jeglicher Hoffnung und Perspektive. Darauf und nicht auf irgend Jemandes "Sicherheit" zielt ein Besatzungsregime ab, das angebliche Terroristen ohne Rücksicht auf "Kollateralschäden" aus der Luft abschießt und vor allem die zivile Infrastruktur (Wasser- und Stromversorgung) sowie - ausgerechnet - die Bäume ins Visier nimmt im "Kampf gegen den Terror".

Der Referent sprach auch vom Widerstand, so wie er von der palästinensischen Gesellschaft mehrheitlich verstanden wird. Breiter Konsens herrsche in Palästina - wie in der globalisierungskritischen Bewegung - darüber, dass Widerstand gegen die völkerrechtswidrige Besatzung nicht nur ein Recht, sondern sogar eine Pflicht ist. Unter Widerstand werde dabei erst in zweiter Linie der bewaffnete Kampf verstanden, und sehr umstritten sei die (von der palästinenischen Linken generell abgelehnten) Selbstmordattentate und Angriffe auf Zivilisten in israelischen Städten.

Die wichtigste Form des Widerstands ist in den Augen der Palästinenser das Ausharren (arab.: sumud), d.h. die Entschlossenheit weiterzuleben, sich nicht vertreiben zu lassen, das Zerstörte immer wieder aufzubauen. Weitere in der palästinensischen Gesellschaft anerkannte und selbstverständliche Formen des Widerstands bestehen in der Solidarität, innerhalb der Gesellschaft und seitens der israelischen und internationalen Bewegung gegen die Besatzung. Und schließlich ist es auch eine Form des Widerstands, wenn man dafür sorgt, dass Informationen nach außen dringen - wie es durch eben den Vortrag geschah, der ja von einem Betroffenen selbst gehalten wurde und sich auf aktuellste, noch am Tag zuvor telefonisch eingeholte Auskünfte aus der Gemeinde Beit Hannoun im Gaza Streifen stützte.

Dass ein solcher Vortrag nicht wie eine Volkshochschulveranstaltung der Erbauung dient oder dazu, einmal mehr eine wohlfeile Empörung zu nähren, war allerdings an diesem Abend nur schwer zu vermitteln. Auf den Sozialforen von Porto Alegre über Florenz, Paris und Mumbay hat sich eine breite Bewegung gegen Krieg und Besatzung in Irak und Palästina gebildet, eine Bewegung, die schon lange von der Empörung zur Aktion übergegangen ist. Tausende "internationals" waren und sind auch derzeit wieder in Palästina, um zusammen mit israelischen Aktivisten den gewaltfreien Protest der betroffenen Palästinensern gegen die Apartheidsmauer und die Olivenernte zu ermöglichen - auch ein paar Münchner waren/sind dabei. Zu hoffen bleibt, dass der Funke im Verlauf des Sozialforumsprozesses auch auf München überspringt.

In diesem Sinne: Bei der Demo gegen die Mauer am 25.9. in Stuttgart sehen wir uns wieder:
Beginn: 13 Uhr HBF, Lautenschlagerstraße; Kundgebung ca. 14.30 am Wilhelmsplatz

RednerInnen:
Ruth Rosenberg (European Jews for a Just Peace)
Khalil Toama (Deutsch-Palästinensische Gesellschaft)
Michel Flament (Campagne civile internationale pour la protection du peuple palestinien)
Moderation: Wiltrud Rösch-Metzler (Pax Christi)

Telefoniert Euch zusammen, wie ihr hinkommt, z.B. mit Wochenendtickets für 5 Personen (hin und zurück für insgesamt 28 Euro)

infos:
www.fse-esf.org
www.stopthewall.org
www.freepalestine.de
www.senderfreiespalaestina.de


zur Homepage der Initiative Sozialforum München