Die Veranstaltung im EineWeltHaus war mit mehr als 60 Menschen angesichts des sperrigen Themas gut besucht. Die engagierte, kundige und bis 23 Uhr dauernde Diskussion zeigte, daß es in München eine große Zahl von Menschen gibt, denen das Gemeinwohl am Herzen liegt, und die über seine finanziellen Voraussetzungen mittlerweile sehr gut informiert sind. Das Eingangsreferat von Fred Schmid, isw, wurde vom Koreferenten, Heinrich Birner, ver.di München, sehr gelobt: kurz, verständlich und umfassend wurden die Zuhörer über die Problematik der Gewerbesteuer orientiert. Die Karikatur des isw-Grafikdienstes über die sieben großen Münchner Unternehmen, die wegen ihrer Größe im Dax notiert sind, die aber aufgrund von legalisierten Rechentricks keine Gewerbesteuer mehr zahlen, löste mehr Betroffenheit als Heiterkeit aus.
(Nachzulesen in: isw-report "Staat-Steuern-Daseinsvorsorge" - liegt bei allen Veranstaltungen der Aktionstage auf. http://www.isw-muenchen.de/report550.html)
Heinrich Birner führte anschließend aus, daß der Stadtratsbeschluß von 1990, massiv in Kinderbetreuungseinrichtungen zu investieren, zu einem beispiellosen Anstieg der Geburtenrate geführt hat. In München gibt es zehnmal mehr Kindereinrichtungen als in den anderen bayerischen Städten. Sein Argument, durch Neuverschuldung weitere Investitionen anzugehen, stieß dennoch auf Widerstand: durch die Zinsproblematik begäbe sich München in Unfreiheit, müßte Banken und Gläubiger bedienen und würde sich damit an der globalen Umverteilung hin zu den Reichen aktiv beteiligen.
Bei der anschließenden Diskussion zeigte sich der Vorzug eines so breiten Veranstalterkreises für unsere Aktionstage: ein in Gewerkschaftskreisen üblicherweise ohne Widerspruch vorgebrachtes Standardargument für konjunkturelles Gegensteuern erntete Kritik von Menschen, die für die gleichen Ziele eintreten: "Eine andere Welt ist möglich! München sozial und solidarisch." - die aber aus ihrem Kontext nicht für Wirtschaftswachstum sprechen, und die zum Teil auch gerade erst, vor zwei Tagen beim Politischen Samstagsgebet, im Rahmen der Aktionstage auf die Zinsproblematik aufmerksam gemacht wurden.
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